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Informationen zum Frontal 21 Bericht "Millionenumsätze mit Blut - Spende oder Ware?"
Donnerstag, 20. November 2008 um 19:29 Uhr
Am 18. November hat das ZDF-Magazin Frontal 21 um 21 Uhr einen Beitrag mit dem
Titel "Millionenumsätze mit Blut - Spende oder Ware?" gesendet. Im
Trailer auf ZDF.de heisst es dazu: "Mit dem Bewusstsein Leben zu
retten, spenden jedes Jahr beim DRK Tausende Menschen freiwillig und
unentgeltlich Millionen Liter Blut. Viele von ihnen wissen nicht, dass
sie damit Teil eines Marktes sind, auf dem jährlich allein die
Blutspendedienste des DRK knapp eine halbe Milliarde Euro umsetzen."
Über den Inhalt und die Fakten möchten wir Sie anhand der nachfolgend aufgeführten Beiträge informieren.
Frontal 21 Wortprotokoll zur Sendung am 18.11.2008 (Quelle: DRK Generalsekretariat)
Anmoderation Theo Koll: Wer Blut spendet, der will helfen und denkt vielleicht auch an den großen Kreislauf der Hilfe: erst anderen durchs eigene Blut helfen und dann, wenn nötig, durch die Blutspende anderer gerettet werden.
In jedem Fall ist es im wahren Wortsinn eine Spende und deshalb geben viele Menschen ihr Blut beim Deutschen Roten Kreuz kostenlos ab. Was sie aber nicht wissen ist, dass das DRK das gespendete Blut im großen Stil verkauft, an Krankenhäuser und an die Industrie. Beim Blutplasma werden nicht, wie angegeben, höchstens 30 % verkauft, sondern es sind über 70 %. Kein Zweifel: das DRK tut viel Gutes aber es ist ganz nebenbei auch ein 500 Mio. Euro Umsatzkonzern. Das allerdings wird gerne verschwiegen. Joachim Bartz, Ulrich Stoll und Lars Winkelsdorf berichten.
Bericht: Ein Werbespot des Roten Kreuzes. Ohne Blut können wir nicht helfen. Die Botschaft: wer sein Blut dem Roten Kreuz spendet, rettet Leben. Und die Spender kommen, auch für Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ist die Blutspende beim Roten Kreuz Ehrensache. 3,6 Mio. Vollblutspenden bekommt das Rote Kreuz jedes Jahr, natürlich unentgeltlich.
Auf der Homepage der DRK-Blutspendedienste heißt es: (Text eingeblendet) „Das Rote Kreuz unterstützt das ... Prinzip der unentgeltlichen Blutspende, da mit Blut ... keine finanziellen Gewinne gemacht werden dürfen. Blut darf nicht zur Handelsware werden.“ Für Experten wie Prof. Heiner Trobisch vom privaten Blutspendezentrum Duisburg sieht die Wirklichkeit anders aus. Trobisch: „Es gibt einen gewissen Markt und Blut ist eine Handelsware, es ist ein pharmazeutisches Produkt und auf dem Markt ist eben halt der Global Player das DRK. Er hat die Hauptanteile an diesem Markt und beherrscht den Markt.“
Bericht: Das Blutspendewesen ruht in Deutschland auf drei Säulen: die privaten Blutspendezentren haben 5 % Marktanteil, die staatlich-kommunalen Dienste 20 %, das Rote Kreuz beherrscht den Markt der Blutkonserven mit 75 %. Private und staatlich- kommunale Blutspendedienste zahlen den Spendern Aufwandsentschädigungen. Die Blutspendedienste des Roten Kreuzes lehnen pauschalierte Aufwandsentschädigungen ab, sparen somit Millionen. Von Ihren Spendern bekamen die DRK Blutspendedienste im Jahr 2007 1,8 Mio. Liter Blut kostenlos. Das Blut wird analysiert und zu Blutkonserven verarbeitet. Die sind viele Mio. Euro wert. Aus jeder unentgeltlichen Blutspende werden drei wertvolle Blutprodukte gewonnen:
- ein Erythrozytenkonzentrat, Marktpreis 84 Euro
- ein Thrombozytenkonzentrat für 70 Euro
- und Blutplasma im Wert von 40 Euro.
Jede einzelne Blutspende ist also 194 Euro wert.
So verdienen die DRK-Blutspendedienste viel Geld. Erythrozyten- und Thrombozytenkonzentrate werden zu Marktpreisen an Krankenhäuser verkauft, das gelbliche Blutplasma auch an die pharmazeutische Industrie. Mit den Millionen Blutspenden erwirtschaftete das Rote Kreuz 494 Mio. Euro im vergangenen Jahr.
Werden DRK Spender darüber ausreichend informiert? Wir machen eine Stichprobe mit versteckter Kamera. Wir fragen nach, ob das Blut vermarktet wird, fragen was mit dem Blut nach der Spende geschieht? Die DRK-Helfer geben Auskunft:
Helferstimmen (nachgesprochen): „Das Blut geht erst ins Labor zu uns und von da aus in die Krankenhäuser.“ „Es gibt Leute die herumerzählen, es wird verkauft das Blut?“ „Es wird an die Krankenhäuser weiter gegeben, also verkauft in dem Sinne nicht. Wir kriegen dafür Geld von den Krankenhäusern.“ „An die Industrie wird das gar nicht verkauft?“ „Nein, Nein, Nein.“
Bericht: So wird der Eindruck erweckt, die Blutprodukte aus den Spenden gingen vor allem an Kliniken, nicht an die Pharmaindustrie. Auf der Homepage der DRK-Blutspendedienste heißt es in der Rubrik „Häufig gestellte Fragen“ (Text eingeblendet): „Man hört, dass das DRK Blut an die Plasmaindustrie verkauft. Was steckt dahinter?“ „Vom Plasmaaufkommen des DRK sind das unter 30 %.“ Die DRK Blutspendedienste behaupten also, weniger als 30 % der gelblichen Blutflüssigkeit, des Plasmas, gingen an die Industrie. Das meiste, 70 % des Plasmas bekämen die Krankenhäuser. Wir rechnen nach:
Die DRK-Blutspendedienste geben auf ihrer Homepage an, 3,6 Mio. Vollblutspenden im Jahr zu erhalten. Das sind nach DRK Angaben knapp 1,2 Mio. Liter Blutplasma. Auf Nachfrage von Frontal 21 teilen die DRK-Blutspendedienste mit, im vergangenen Jahr seien 859.575 Liter Blutplasma an die Pharmaindustrie verkauft worden, das sind 74 % des gesamten DRK Blutplasmaaufkommens, nicht die behaupteten 30 %.
Das heißt, der Großteil des gespendeten Blutplasmas wird an die Industrie verkauft. Aus Plasma stellen die Pharmakonzerne Medikamente her. Das Plasma, das die DRK-Blutspendedienste pro Jahr an die Pharmaindustrie verkaufen, ist auf dem Markt 137,5 Mio. Euro wert. Was geschieht mit solchen Einnahmen?
Einer der größten Blutspendedienst des Roten Kreuzes, der Blutspendedienst West hat nach eigenen Angaben im Jahr 2006 sein Stammkapital um 24 Mio. Euro erhöht auf 56 Mio. Euro. Auf Nachfrage erklären die Blutspendedienste des DRK: das erhöhte Stammkapital diene zur Finanzierung des Anlagevermögens, also für große Investitionen, offenbar auch zum Kauf von Konkurrenten.
Beispiel Tübingen, Baden-Württemberg. Gegen die Bedenken des Bundeskartellamtes kaufte der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen die Blutbanken der Universitätskliniken Heidelberg und Tübingen.
Rupprecht Podszun (Kartellrechtsexperte): „Da sagt jeder Kartellwächter, das ist aber wirklich äußerst problematisch und wenn der jetzt sozusagen noch mächtiger wird, indem er einfach zwei andere Unternehmen kauft, die auf dem Markt tätig sind, dann ist das eigentlich ein Fall, in dem das Bundeskartellamt einschreitet.“
Bericht: Findige Juristen konnten das verhindern, sorgten dafür, dass die Fusion nicht mehr kontrollpflichtig war. Rupprecht Podszun war damals im Bundeskartellamt am Verfahren beteiligt und ärgert sich bis heute über das Scheitern des Fusionsverbotes.
Rupprecht Podszun (Kartellrechtsexperte): „Das führt dazu, dass in Baden-Württemberg die Blutversorgung jetzt fast ausschließlich vom DRK übernommen wird und das ist eine Situation, die wettbewerblich problematisch ist, also für Kartellrechtler etwas, was nicht so angenehm ist, weil man immer sagt, je stärker jemand wird, desto einfacher kann er die Preise kontrollieren, desto stärker sind natürlich die Nachfrager von ihm abhängig und müssen alles schlucken, was er ihnen vorsetzt.“
Bericht: Heute hat der DRK-Blutspendedienst 90 % Marktanteil an der Blutversorgung in Baden-Württemberg und Hessen, eine Monopolstellung und die DRK-Blutspendedienste bauen ihre marktbeherrschende Stellung weiter aus. Die Rahmenbedingungen sind günstig: das Spenderblut ist kostenlos. Die DRK-Blutspendedienste sind als gemeinnützige GmbHs von der Steuer befreit. Nach außen wollen die nur selbstlos dem Gemeinwohl dienen. In dem internen DRK-Papier Strategie 2010 plus ist von Mitmenschlichkeit als besonderem Profil des DRK die Rede und vom Gefühl der Spender, direkt helfen zu können. Intern setzt das DRK in Klammern hinzu (obwohl sie es mit einem Unternehmen mit 500 Mio. Euro Umsatz zu tun haben). Nach außen verschweigt man das lieber.
Abmoderation Theo Koll: Das sollte jetzt nicht dazu führen, dass wir alle weniger Blut spenden, denn das wird dringend gebraucht. Aber, es gehört sich auch, dass das DRK mit seinem Geschäftsgebaren offen und ehrlich umgeht. Dafür geben zu viele Menschen ihre Freizeit und ihr Engagement für die gute Sache.
Hinweis des DRK dazu: Die Blutspendedienste veröffentlichen ihre Jahresbilanzen im Bundesanzeiger.
Anmerkungen der Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes
zur Sendung Frontal 21, ZDF 18.11. 2008 "Spende oder Ware" (Quelle: http://www.drk-blutspende.de/aktuell/spende-oder-ware.php)
Die Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes
stellen ein leistungsfähiges und wirtschaftlich gesundes System der
Blutversorgung sicher. Deutschland hat im europäischen Vergleich seit
Jahren die niedrigsten Preise für Erythrozytenkonzentrate (Konzentrat
der roten Blutkörperchen). In den Nachbarländern liegen die Preise um
30 bis 100 Prozent höher. Gleichzeitig gehören die Blutprodukte der
DRK-Blutspendedienste zu den sichersten der Welt. Das System der
freiwilligen Blutspende als Beitrag zur Versorgung kranker Menschen hat
sich bewährt und lässt sich mit gewinnmaximierten privaten Systemen
nicht vergleichen. Es basiert auf gegenseitigem Vertrauen und der
Transparenz der Abläufe.
Das
Konzentrat der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) wird aus der
Vollblutspende am dringendsten benötigt. Ein anderer Bestandteil, das
Blutplasma, wird von etwa 26 Prozent aller Vollblutspenden für die
Patientenversorgung benötigt. Die überschießende Menge (74 Prozent)
wird an die Industrie verkauft (137,5 Mio. Euro Erlös). Mit den
Verkaufserlösen senken die Blutspendedienste nachweislich die Preise
für die Erythrozytenkonzentrate. Daher kann jeder Spender ein Interesse
daran haben, dass Bestandteile seiner Vollblutspende weiter verkauft
werden, aber eben nicht zur "Gewinnmaximierung" der Blutspendedienste,
sondern zur Senkung der Kosten im Gesundheitswesen. Die Übernahme der
Blutbanken der Universitätskliniken von Tübingen und Heidelberg wurde
von der zuständigen Landesregierung ausdrücklich unterstützt. Die dadurch erzielten Kosteneinsparungen sind erheblich. Eine "feindliche
Übernahme" gab es nicht.
Die
Blutspendedienste sind gemeinnützige Einrichtungen ohne
Gewinnerzielungsabsicht und erfüllen alle rechtlichen Anforderungen an
Finanz-Transparenz. Erträge und Aufwendungen werden in den
Jahresabschlüssen veröffentlicht und sind für jeden zugänglich im
Bundesanzeiger (seit 2006 im elektronischen Bundesanzeiger)
nachzulesen. 2007 haben die Blutspendedienste 494 Millionen Euro Umsatz
gemacht - das ist nicht mit Gewinnen zu verwechseln. Überschüsse werden
in satzungsgemäße Aufgaben investiert.
Einen
"Marktpreis" von 194 Euro pro Blutspende gibt es nicht. Nicht aus jeder
Vollblutspende sind sämtliche Blutprodukte herzustellen. Die
Kostensätze liegen für Erythrozytenkonzentrate bei 84 Euro, bei
Thrombozythenkonzentraten bei etwa 12 Euro. Insgesamt werden für alle
Produkte pro Spende rund 125 Euro erlöst. Zur Herstellung fallen Kosten
für Untersuchung, Aufbereitung, Lagerung des Blutes, Forschung und
Entwicklung aber auch die für die Werbung der Spender oder für die
Verwaltung an. All das wird aus den Erlösen der Blutspende bezahlt. Und
zwar immer mit dem Ziel, die Preise für Qualitätsprodukte zum Wohl des
Gesundheitssystems niedrig zu halten. Daher ist das Deutsche Rote Kreuz
jedem Spender für das Vertrauen dankbar und investiert fortlaufend in
Transparenz und Aufklärung zum Verfahren.
Die
Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes verkaufen 74 Prozent des
gewonnenen Blutplasmas an die Industrie und nicht 30 Prozent - wie auf
einer überholten Internet-Seite angegeben. Das haben wir korrigiert.